
Nach meinem ersten grösseren Golfwett-Gewinn – 4’800 Franken auf einen Aussenseiter beim British Open – war meine erste Reaktion Freude. Meine zweite war Panik: Muss ich das versteuern? Ich habe drei Abende damit verbracht, die Schweizer Steuergesetzgebung zu Geldspielgewinnen zu durchforsten. Die gute Nachricht: Für die allermeisten Golfwettenden ist die Steuerfrage kein Thema. Die weniger gute Nachricht: Es gibt Nuancen, die man kennen sollte, bevor man sie braucht.
Die Bundesregelung – Steuerfreiheit bis eine Million Franken
Seit dem neuen Geldspielgesetz von 2019 sind Gewinne aus Geldspielen auf Bundesebene bis zu einer Million Franken steuerfrei. Dieser Freibetrag gilt pro Gewinnfall – nicht pro Jahr, nicht pro Anbieter, nicht pro Sportart. Wenn du am Sonntag eine Siegwette beim Masters gewinnst und 50’000 Franken kassierst, ist dieser Betrag vollständig steuerfrei. Keine Deklaration, keine Abzüge, keine Formulare.
Für Golfwettende ist diese Regelung besonders relevant, weil selbst die besten Saisons eines erfolgreichen Wettenden weit unter der Millionengrenze liegen. Ein Spieler, der regelmässig auf die PGA Tour wettet und 2026 ein Preisgeldvolumen von 450 Millionen Dollar in den Turnieren sieht, wird seine eigenen Wettgewinne in einer ganz anderen Grössenordnung verbuchen. Die typische profitable Wettsaison bringt einige tausend Franken – Beträge, die steuerlich irrelevant sind.
Oberhalb der Million greift eine gestaffelte Besteuerung. Die Gespa – die interkantonale Aufsichts- und Vollzugsbehörde – überwacht die Einhaltung dieser Regelung. In der Praxis betrifft das fast ausschliesslich Lotteriegewinne und Casino-Jackpots, nicht Sportwetten. Dennoch: Die Regel existiert, und wer jemals einen Ante-Post-Tipp bei Quote 500,0 mit einem grösseren Einsatz platziert und gewinnt, sollte die Grenze im Hinterkopf haben.
Kantonale Unterschiede – ein unübersichtliches Feld
Die Schweiz wäre nicht die Schweiz ohne kantonale Eigenheiten. Die Bundesregelung setzt den Rahmen, aber die Kantone haben bei der steuerlichen Behandlung von Spielgewinnen gewisse Spielräume – insbesondere bei der Frage, ob und wie Gewinne aus Geldspielen in der Steuererklärung deklariert werden müssen.
In den meisten Kantonen müssen Geldspielgewinne unter einer Million Franken nicht deklariert werden. Einige Kantone verlangen jedoch eine Angabe in der Steuererklärung, auch wenn die Gewinne steuerfrei bleiben – eine formale Pflicht, die keinen finanziellen Effekt hat, aber bei Nichtbeachtung theoretisch Fragen aufwerfen kann. Ich halte meine Golfwett-Gewinne in einer einfachen Tabelle fest – Datum, Turnier, Einsatz, Gewinn, Anbieter. Nicht weil ich es müsste, sondern weil ich bei einer allfälligen Nachfrage der Steuerbehörde sofort Klarheit schaffen kann.
Die kantonale Vermögenssteuer ist ein separates Thema. Wettgewinne, die auf dem Konto landen und dort verbleiben, erhöhen das Vermögen und werden bei der Vermögenssteuer berücksichtigt. Das ist keine spezifische Sportwettensteuer, sondern die allgemeine Vermögensbesteuerung, die auf jedes Kontoguthaben zutrifft. Die Vermögenssteuersätze variieren zwischen den Kantonen erheblich – ein Wettgewinn, der in Zug auf dem Konto liegt, wird deutlich niedriger besteuert als derselbe Betrag in Genf oder Basel-Stadt. Für aktive Wettende, die ihr Kapital laufend umsetzen, ist dieser Punkt praktisch irrelevant. Für jemanden, der einen einmaligen Grossgewinn erzielt und auf dem Sparkonto parkt, kann er relevant werden.
Gewinne bei nicht lizenzierten Anbietern – die Grauzone
Die steuerliche Behandlung von Gewinnen bei ausländischen, nicht in der Schweiz lizenzierten Anbietern ist ein Thema, das offiziell selten adressiert wird. Die Steuerfreiheit bis eine Million Franken gilt laut Gesetz für Gewinne aus „Grossspielen“ – und Grossspiele sind nur solche, die von konzessionierten Veranstaltern angeboten werden. Streng genommen könnte man argumentieren, dass Gewinne bei nicht lizenzierten Anbietern nicht unter den Freibetrag fallen.
In der Praxis hat diese Frage kaum Konsequenzen, weil die Steuerbehörden nicht aktiv nach Wettgewinnen bei Offshore-Anbietern suchen. Aber das ist ein pragmatisches Argument, kein rechtliches. Wer auf der sicheren Seite sein will, wettet bei konzessionierten Anbietern und hat damit automatisch die steuerlich unkomplizierte Variante gewählt. Swisslos erzielte 2024 einen Reingewinn von 122 Millionen Franken, der an die Kantone ausgeschüttet wurde – der Umweg über lizenzierte Anbieter ist also nicht nur steuerlich sauber, er finanziert auch gemeinnützige Zwecke und stärkt die Schweizer Sportförderung. Das Argument für den legalen Weg ist damit dreifach: steuerliche Sicherheit, Rechtsschutz bei Streitigkeiten und gesellschaftlicher Nutzen.
Professionelles Wetten und die Einkommensteuer
Eine Frage, die in der Schweiz bisher kaum diskutiert wird: Ab wann werden Golfwetten zum Beruf? Wenn die Steuerbehörde zum Schluss kommt, dass jemand systematisch, regelmässig und mit Gewinnabsicht wettet, könnte sie die Einnahmen als Erwerbseinkommen qualifizieren – und dann fällt die Steuerfreiheit weg.
Die Schwelle ist hoch und die Abgrenzung unscharf. In der Praxis müssten mehrere Merkmale zusammentreffen: hohe Umsätze, professionelle Infrastruktur, regelmässige Gewinne über Jahre und ein erkennbares Geschäftsmodell. Für die grosse Mehrheit der Golfwettenden – auch für diejenigen, die analytisch und datenbasiert arbeiten – ist diese Frage irrelevant. Aber sie zeigt, dass die steuerliche Einfachheit des Schweizer Systems nicht unbegrenzt gilt.
Verlustverrechnung – ein Thema, das oft vergessen wird
Wo wir über Gewinne reden, müssen wir auch über Verluste sprechen. In der Schweiz können Geldspiel-Verluste nicht von den Steuern abgezogen werden. Das klingt logisch – wenn Gewinne steuerfrei sind, können Verluste nicht steuermindernd geltend gemacht werden. Aber für Wettende, die profitabel arbeiten wollen, hat das eine wichtige Konsequenz: Dein Nettogewinn ist dein realer Gewinn, ohne steuerliche Korrekturmöglichkeit in Verlustjahren.
Im Vergleich dazu erlauben einige Länder die steuerliche Absetzung von Spielverlusten gegen Spielgewinne. In den USA zum Beispiel können Spielverluste bis zur Höhe der Spielgewinne steuerlich angerechnet werden – ein Modell, das in der Schweiz nicht existiert. Für das Bankroll Management bedeutet das: Du musst in deiner Kalkulation davon ausgehen, dass Verluste zu hundert Prozent reale Verluste sind und nicht durch Steuerersparnisse abgefedert werden können.
Wer mit der systematischen Value-Bet-Suche langfristig erfolgreich ist und dabei sechsstellige Umsätze generiert, sollte sich steuerlich beraten lassen – die Grenze zwischen Hobby und selbständiger Tätigkeit ist fliessend, und eine frühzeitige Klärung vermeidet unangenehme Überraschungen.
Laut der Erhebung von ESBK und Gespa aus dem Jahr 2022 zeigen 4,3 Prozent der Schweizer Bevölkerung ein risikoreiches Spielverhalten. Die steuerliche Transparenz und der bewusste Umgang mit Gewinnen und Verlusten sind ein Element des verantwortungsvollen Wettens – wer seine Finanzen im Blick hat, erkennt problematisches Verhalten früher als jemand, der seine Zahlen nicht kennt.
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Erstellt von der Redaktion von „golfwettanbi".